Unser erster 4000er
Der Barre des Ecrins ist für Sigi und mich der erste 4000er. Wir hätten es uns leichter machen können als eine Pause-Tour im extremen Fels zu wählen, aber die Bedingungen passen und mit Bernhard und Richard ist eine zweite erfahrene Seilschaft dabei.

Vorbereitung der kommenden Tour

16.08.2020-18.08.2020 - Unser Freund Bernhard kennt eine Tour, die er hier unbedingt machen möchte: Den Pilier Sud (dt. Südpfeiler, 5c, 1100 m) am Barre des Ecrins (4102 m). Die Tour bietet alles von einem langen Zustieg über Geröll und ein Schneefeld gefolgt von über 1000 Klettermetern in brüchigem Fels mit eventuell schwieriger Routenfindung bis hin zu einem langen Abstieg über einen Gletscher. Dies erfordert mehr Ausrüstung, die einiges an Zusatzgewicht über ungefähr 20 Stunden bedeutet. Außerdem gibt es keine Möglichkeit per Handy einen Notruf abzusetzen. Deshalb gehen wir zuerst von einer Dreierseilschaft mit Bernhard, Richard und Sigi aus. Zur Planung fahren wir nach Briancon, weil wir gutes Internet brauchen und unsere Vorräte auffüllen müssen.

Zwischendurch geht Sigi mit Bernhard und Richard zum Sportklettern ins Klettergebiet Les Traverses et la Vignette. Der Tag vor der Tour ist für die letzten Vorbereitungen reserviert. Nachdem ich momentan ziemlich fit bin und mir die anderen versichern, dass ich sie nicht bremsen werde und sie mich gern dabeihätten, entschließe ich mich doch noch mitzugehen.

Standplatz: N 48.8414, E 6.5769

Unser erster 4000er

19.08.2020-20.08.2020 - Um 03:30 Uhr starten wir etwas später als geplant bei völliger Dunkelheit vom Parkplatz los. Trotz der steifen Bergstiefel ist der Weg angenehm zu gehen. Wir kommen auch gut über die Moräne hinunter und über den Glacier Noir zum Schneefeld unterhalb des Barre des Ecrins. Das Schneefeld lässt sich mit Steigeisen und Pickel beim ersten Licht des Tages gut begehen. Bernhard und Richard finden schnell eine passende Stelle, wo wir die Randkluft zum Vorbau gut queren können. Während die anderen den Vorbau in ihren Bergstiefeln klettern, wechsle ich sofort auf meine bequemen Kletterschuhe.

Einen Schockmoment löst Sigi aus als ein großer Griff ausbricht und er mehrere Meter über den Vorbau hinunterrollt. Zum Glück fängt er sich auf einer etwas größeren Stufe und bleibt bis auf ein paar Abschürfungen unverletzt (Gott sei Dank). Die leichteren Klettermeter sind brüchig, aber das war zu erwarten. Vorsichtig klettern ist angesagt. Viel gefährlicher sind die Steine, die von den Seilschaften vor uns abgetreten werden.

In den schwierigeren Seillängen laufen wir auf die anderen Seilschaften auf. Beim gemeinsamen Warten kommen wir mit Julia und Tobias ins Gespräch. Die zwei langsamen Seilschaften kämpfen mit den etwas schwierigeren Metern und setzen entsprechend viele Zwischensicherungen. Das kostet viel Zeit. Außerdem haben sie ein Biwak auf dem Gipfel oder dem Gletscher geplant. Leider bieten sie den anderen Seilschaften, die alle kein Biwak geplant haben, nicht an bei einem bequemen Stand vorbei zu klettern und gefährden diese dadurch. Erleichtert erreichen wir den Gipfel am späten Nachmittag. Wir verweilen nur kurz um noch vor Sonnenuntergang über den Grat zu klettern, abzuseilen und möglichst viele der steilen Passagen auf dem Gletscher hinter uns zu bringen. Während Bernhard und Richard noch auf den Dome de Neige (4015 m) steigen, beginnen Sigi und ich in einer Seilschaft mit Julia und Tobias über den Glacier Blanc abzusteigen. Viel zu schnell geht die Sonne unter. Aufgrund des ausgetretenen Pfades kommen wir aber schnell voran. Der Weg ist trotzdem lang. Zuerst gehen wir Stunden über den Gletscher und dann noch Stunden über den Wanderweg bis zum Parkplatz. Die Gelenke schmerzen und wir sind froh als wir endlich bei Elmo ankommen.

Standplatz: N 44.9171, E 6.4154

Erkenntnisse

  • Steinschlag ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr, vor allem wenn sich mehrere Seilschaften in derselben Tour befinden.
  • Manche Touren sind vor allem wegen des Gesamtpakets aus Kletterei mit Zu- und Abstieg interessant.
Verfasst von Barbara